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Behandlung nach Liposuktion

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Viele gerade junge Patientinnen mit einem Lipödem sind mit den Ergebnissen der konservativen Therapie nicht zufrieden und entschließen sich daher zu einem chirurgischen Eingriff (Liposuktion). Unsere Aufgabe als Lymphtherapeuten ist die Nachbehandlung der häufig stark ausfallenden traumatischen Ödeme, Blutergüsse und der anfänglich starken Schmerzen bei den Patientinnen.

MLD und eine strenge Kompressionstherapie sind die beiden Hauptsäulen in der Behandlung. Aufgrund der anfänglich stark vorhandenen Druckempfindlichkeit verbieten sich kräftige, flüssigkeitsverschiebende MLD-Techniken. Die in den ersten Behandlungstagen deutlich sichtbaren Behandlungserfolge der Ödemreduktion sind vermutlich eher auf das Wirken der Kompressionsverbände zurückzuführen. Ziel ist es, den Patientinnen bald wieder zu ermöglichen, ihre Kompressionsstrümpfe zu tragen. Aufgrund der hohen Druckempfindlichkeit ist dies normalerweise erst nach einigen Behandlungstagen möglich. Die Patientinnen sind dann in der Regel sehr erleichtert, keine Kompressionsverbände mehr tragen zu müssen. Behandlungsziel ist ein schmerz- und ödemfreier Zustand, die Haut sollte sich am Ende wieder gelockert darstellen.

Eine Patientin, die selbst Ärztin ist, entschied sich, ihren Zustand nach Liposuktion ausschließlich über IPK-Plus nachbehandeln zu lassen. In Absprache mit der Chirurgin wurde folgendermaßen verfahren:

Behandlungsbeginn zwei Tage postoperativ, Versorgung der üppig geschwollenen Beine mit 1 cm starken, glatten, von Hand zugeschnittenen Schaumstoffteilen, durchgehend von hinten und vorn, umgeben von einer mit 12 Kammern ausgestatteten Hosenmanschette, Druckeinstellung zunächst niedrige 30 mmHG. Der Druck wurde dann in den ersten 10 Minuten von der Patientin selbst in kleinen Schritten erhöht, 50 mmHg wurden schmerzfrei vertragen, und unter dieser Druckstärke sollte sie selbst bestimmen, wie lange sie sich behandeln lassen wollte. Nach einer Anwendungszeit von ca. 90 Minuten konnte eine sehr deutlich abschwellende Wirkung festgestellt werden. Unsere Patientin war sehr zufrieden und anschließend in der Lage, eine flachgestrickte Kompressionsstrumpfhose der Kompressionsklasse 2 anzuziehen.

Am zweiten Behandlungstag, also drei Tage postoperativ, verwendeten wir bereits bis zur Leiste einen „Schnippelsack“ in Muffform, den wir aber nicht mit Würfeln, sondern mit einem mit sehr viel feineren und weichen Schaumstofflocken gefüllten Material bestückt hatten. Der Anwendungsdruck wurde auch diesmal von der Patientin selbst gesteigert, bis sie im Vergleich zum Vortag 10 mmHG mehr, also 60 mmHg, als angenehm empfand. Der nachfolgende Sonntag war dann therapiefrei, was die Patientin im Nachhinein sehr bedauerte.

Weitere Behandlungen erfolgten täglich, Montag bis einschließlich Samstag über einen Zeitraum von insgesamt zwei Wochen. Im Verlauf der zweiten Woche wurde dazu übergegangen, das Unterpolsterungsmaterial noch einmal zu wechseln. Verwendet wurde nun sehr fein gewürfelter Schaumstoff (in Muffform), die Leistenregion war ebenfalls mit Schnippelsäcken bedeckt, um somit auch Reize auf die Region der Leistenlymphknoten ausüben zu können. Insgesamt hatten wir am Ende im Vergleich zu unseren herkömmlichen Therapien ein überdurchschnittlich gutes Behandlungsergebnis, welches sich in nicht mehr vorhandenen Ödemen sowie kaum noch sichtbaren Hämatomen darstellte, und Verhärtungen der Haut waren ebenfalls kaum noch feststellbar. Auffällig waren auch die Fortschritte nach wenigen Behandlungstagen im Hinblick auf die Verbesserung der Mobilität und reduzierter Schmerzhaftigkeit.

Da eine Kompressionstherapie einige Zeit nach einer Liposuktion angewendet werden sollte und die vorhandenen Kompressionsstrümpfe nur heiß und täglich gewaschen genügend Druck gewährleisten, wurde eine neue Versorgung unmittelbar nach einer IPK-Plus- Behandlung ausgemessen und in Auftrag gegeben.

Die Patientin, die, wie schon erwähnt, selber als Ärztin Erfahrung mit vergleichbaren Fällen hatte, ist mit dem Behandlungsergebnis sehr zufrieden.

Aus den bisherigen Erfahrungen lässt sich für die Patientengruppe mit Lipödem möglicherweise ein neues Behandlungsmodell ableiten, das für Patienten und für die Kostenträger eine ganze Reihe Vorteile bringen würde.


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