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Lipödem

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Auch wenn in der Erstuntersuchung von Patientinnen mit einem Lipödem ein „Dellentest“ keinen Hinweis auf eine krankhafte Flüssigkeitsvermehrung liefert, so ist es doch teilweise erstaunlich, wie deutlich sich unter einer KPE-Behandlung die Beinumfänge reduzieren lassen. Aus diesem Grund wird als Basisbehandlung von den Fachleuten eine Phase 1 der KPE empfohlen, bei der sich die Beinumfänge aber in vielen Fällen unterschiedlich reduzieren lassen. Hier nun in Kürze die zwei wichtigsten Therapieziele:

Ziel 1: Eine Entödematisierung ist die unbedingte Voraussetzung für später gut sitzende Kompressionsstrümpfe, die, konsequent getragen, in den meisten Fällen als alleinige Therapiemaßnahme völlig ausreichen. Nur in wenigen Fällen ist eine regelmäßige oder in Blöcken verabreichte MLD-Behandlung noch indiziert, da es sich bei der Schwellneigung um eine dynamische Insuffizienz des Lymphgefäßsystems handelt. Diese Störung kann über alleinige Kompressionstherapie mittels Kompressionsstrümpfen sehr gut behandelt werden.

Ziel 2: Behandlung der häufig mit dem Lipödem einhergehenden Schmerzhaftigkeit.

Bleibt diese unbehandelt, wird eine für später vorgesehene Kompressionstherapie mittels Kompressionsstrümpfen für die Patientinnen zur Qual und ist kaum durchführbar. Aus der Sicht des Anwenders ist es in diesem Zusammenhang aber nicht wesentlich, ob nach einer MLD-Behandlung Kompressionsstrümpfe oder ein Kompressionsverband getragen werden, um dieses Therapieziel zu erreichen. Nur wenn zusätzlich mit dem Lipödem eine Schmerzhaftigkeit einhergeht, ist eine MLD-Behandlung überhaupt angezeigt.

So wird eine Phase 1 der KPE in der Praxis des Anwenders ausgeführt:

Auf Grund der anfänglichen typischen Druckempfindlichkeit ist eine Kompressionsbandagierung in den ersten Behandlungstagen oft nur bis zu den Knien möglich und wird häufig nur über wenige Stunden vertragen. Daher dauert es einige Tage, bis endlich auch ein Kompressionsverband bis zur Leiste gelegt werden kann, da bei solch einem Vorhaben der Druck im Unterschenkelbereich dann viel höher ausfallen muss, damit ein konsequenter Druckabfall im gesamten Verlauf der Bandage erkennbar ist. Ein gutes Ergebnis bei der Entstauung ist im Bereich der Oberschenkel sehr schnell erreicht, so dass man recht bald Kompressionsstrümpfe ausmessen lassen kann. Bis diese zur Verfügung stehen, vergeht wiederum etwa eine Woche, in der üblicherweise täglich weiter behandelt werden muss. Aus diesem Grund dauert eine solche Phase 1 der KPE etwa drei Wochen und das bedeutet, dass am Ende in der Regel 18 Behandlungssitzungen zusammen kommen. Dabei ist das Endergebnis der Umfangreduktion in den meisten Fällen eher mäßig.

Wir sehen in unserer Praxis zahlreiche Patientinnen mit diesem Krankheitsbild und haben viele, jeweils einmalige Testbehandlungen mit der IPK-Plus-Methode bei diesen Patientinnen beschwerdefrei durchgeführt. Dabei haben wir gesehen, dass gerade bei dieser Patientengruppe nach einer nur ein- bis zweistündigen Behandlungszeit eine ganz beachtliche Umfangreduzierung stattgefunden hat. Dennoch haben wir dieses noch nicht zugelassene Verfahren bis jetzt nicht zur Anwendung gebracht. Viele Umfangmessungen haben aber interessanterweise Folgendes aufgezeigt: Patientinnen, die vor Antritt einer Phase 1 der KPE einmalig eine nur 60 minütige IPK-Plus-Behandlung erhielten, wiesen eine Umfangsverminderung auf, die der Wirkung einer dreiwöchigen herkömmlich durchgeführten MLD/KPE entsprach. Wir haben einmal bei einer Patientin, Mitte 40, einen Behandlungsversuch unternommen. Sie befand sich in ihrer neuen Arbeitsstelle am Beginn Ihrer Probezeit und wollte dort unter keinen Umständen drei Wochen fehlen, und so versuchten wir Folgendes:

Eine Anwendung IPK-Plus über einen Zeitraum von 90 Minuten, danach sofortige Abnahme von Maßen zur Herstellung von flachgestrickten Kompressionsstrümpfen. Die eigens zur Praxis angereiste Bandagistin wurde dabei gebeten, unter stärkerem Zug des Maßbandes abzumessen. Nachdem die neuen Strümpfe nach einer Woche fertiggestellt waren, wiederholten wir die IPK-Behandlung auf die gleiche Weise und versorgten die Patientin sogleich anschließend mit der neuen Kompressionsstrumpfhose. Aufgrund der zusätzlich typischen Druckempfindlichkeit wurde der Patientin geraten, diese zwar jeden Morgen anzulegen, aber nur so lange zu tragen, wie es ihr gut zumutbar erschien. Außerdem haben wir nochmals einige der von ihr inzwischen sehr geschätzten IPK-Plus- Behandlungen nach Feierabend durchgeführt. Es wäre natürlich auch möglich gewesen, aufgrund der Schmerzen und der Druckempfindlichkeit einige MLD- Behandlungen durchzuführen. Nach einigen Tagen konnte die Patientin die neue Kompressionsware tagsüber durchweg bis zum Abend tragen. Die Kompressionsstrümpfe (inzwischen besitzt sie zwei) sitzen einwandfrei, woraus geschlussfolgert werden kann, dass die vorherige Entstauung vollkommen ausreichend war. Den Wunsch, sich zu einem späteren Zeitpunkt einer herkömmlichen MLD/KPE Phase 1-Behandlung zu unterziehen, hatte die Patientin nicht. Die Beine fühlen sich für sie wieder gut an, deshalb verzichtet sie zurzeit auch auf weitere MLD- bzw. IPK-Plus-Behandlungen.


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