Nautilus

Primäres Lymphödem Stadium 3
mit ulzerierender Hyperkeratose

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Patient: Herr S.
Arzt: Dr. med. Andreas Hildebrandt, Ullsteinhausklinik, Berlin
Physiotherapie: Martin Morand, Lymphzentrum-Berlin
Behandlung: Komplexe Physikalische Entstauungstherapie
Zeitraum: 11.12.2018 bis 28.01.2019

Patient

44 Jahre, in sehr gutem körperlichen Allgemeinzustand, keine zusätzlichen internistischen Erkrankungen. Der adipöse Patient wiegt 155 kg bei einer Körpergröße von 1,80 m. Der von Herrn Dr. med. Hildebrandt bereits angekündigte Patient kommt zu seinem ersten Besuch in Begleitung eines Betreuers und berichtet, dass er seit mehreren Jahren unter starken Depressionen und Angststörungen leidet.

Ödembefunde

Primäre Lymphödeme, Stadium 3, beide Beine betroffen, rechts stärker als links. Die massiven Schwellungen bestehen vorwiegend im Bereich der Unterschenkel. Am rechten Bein, ventral, unmittelbar proximal zum oberen Sprunggelenk hin imponiert ein ungewöhnlich großer, ca. 25 cm breiter und 30 cm langer, indurierter blumenkohlförmiger hyperkeratotischer Hügel. Über diesen befindet sich ein dicker fast geschlossener Belag, der lediglich von einer etwa handgroßen ventrolateral gelegenen flachen Wundfläche unterbrochen ist.

Der Patient berichtet in diesem Zusammenhang von einer etwa 5 Jahre zurück liegendenden Verletzung und einer missglückten Eigenbehandlung mit Salben, auf die er allergisch reagierte. Sein Hausarzt überwies ihn zu einer stationären Weiterbehandlung in eine Klinik, wo unter anderem auch eine antibiotische Infusionsbehandlung erfolgte. Für die zu dieser Zeit schon bestehende lymphangiologische Ödemproblematik der Beine gab es ärztlicherseits keine zielführende Behandlungsempfehlung.

Der Patient gab an, aufgrund des massiven vom Bein ausgehenden Geruchs kaum noch über soziale Kontakte zu verfügen. Eine zusätzliche Abklärung durch einen Dermatologen war bereits von dem an uns zuweisenden Arzt in Auftrag gegeben worden. Seine Mitarbeit wird sich im gesamten Verlauf der nachstehend geschilderten Therapie als hervorragend erweisen.

Das linke Bein weist ebenfalls eine massive Schwellung mit distaler Betonung auf, die Haut ist schuppig und trocken. An den Füßen und Zehen bestehen eher geringgradige Schwellungen, die Oberschenkel weisen beidseits dellbare Schwellungen auf, rechts etwas stärker als links.

Therapieregime

10.12.2018
Eine zeitintensive Hautsanierung stand in den ersten zwei Behandlungswochen zunächst im Vordergrund und erfolgte durch uns als Physiotherapeuten/innen, dabei standen wir in Kontakt mit dem einweisenden Arzt. Über die Wundversorgung wurde ein mit Schaumstoff unterpolsterter lymphologischer Kompressionsverband gelegt. Die Wundfläche und der hyperkeratotische Hügel verkleinerten sich zusehends, der sehr unangenehme Geruch reduzierte sich bereits innerhalb der ersten fünf Behandlungssitzungen auf ein erträgliches Maß und bestand nach etwa einer Woche kaum noch.

02.01.2019
Nach 16 Therapiesitzungen waren die Umfangswerte der Beine soweit reduziert, dass bis zu zwei Stunden dauernde IPK-Plus Sitzungen vor MLD/KPE mit eingesetzt werden konnten. Zuvor war der Einsatz der IPK-Plus noch nicht möglich, da die voluminösen Beinumfänge diesen noch nicht zugelassen hätten. Die ferner rundum mit ca. 7 cm starken Polsterkomponenten versehenen Manschetten hätte man nicht verschließen können. Die Füllung der ausgewählten Polsterkomponente bestand aus sehr kleinen, festen Schaumstoffkörpern, so dass diese in den hyperkeratotischen engen Zwischenräumen erweichend wirken konnten. Die Wundfläche wurde abgeschirmt, so dass eine unerwünschte mechanische Einwirkung in diesem Bereich nicht stattfinden konnte.

Oberhalb der Knie wurden Komponenten mit größeren, weicheren Schaumstoffwürfeln verwendet, diese besitzen gute, bei weichen Schwellungen entstauende Eigenschaften. Die Druckstärke war für den Patienten steuerbar, er war angehalten, darauf zu achten, die Behandlung keinesfalls als unangenehm zu empfinden. Neben den schon eben beschriebenen Behandlungszielen wurde IPK-Plus wegen ihrer starken und schnellen entstauenden Eigenschaft zur Beschleunigung der entödematisierenden Therapie mit eingesetzt.

15.01.2019
Therapiesitzung 26, die Ulzeration ist vollständig abgeheilt, weiterhin kann eine deutliche Verkleinerung und Erweichung des hyperkeratotischen kugeligen Aufwurfs festgesellt werden.

28.01.2019
Beide Beine sind maximal entödematisiert, ferner ist die im epifaszialen Gewebezylinder bestehende lymphostatische Fibrose maximal entstaut und gelockert. Eine Bandagistin mit langjähriger Erfahrung in der Versorgung von Patienten mit lymphangiologischen Ödemerkrankungen nimmt die Maße zur Herstellung einer lymphologischen Kompressionsbestrumpfung. Zuvor erfolgte eine 60-minütige IPK-Plus-Behandlung.

31.01.2019
Über eine Eilbestellung konnte der Patient vier Tage später seine neue flachgestrickte Kompressionsstrumpfversorgung erhalten.
Die neuen Kompressionsstrümpfe können beschwerdefrei getragen werden, sitzen einwandfrei, und das gute Behandlungsresultat wird durch das konsequente Tragen gehalten.


Primäre Lymphödeme beider Beine, Stadium 3
Bein rechts
11.12.2018-28.01.2019
Bein links
11.12.2018-28.01.2019
Messpunkte
im Abstand
von
Umfang
vor/nach Therapie
(in cm)
Differenz
(in cm)
Umfang
vor/nach Therapie
(in cm)
Differenz
(in cm)
1 Fuß/Zeh + 6 cm 26,0 / 25,0 -1,0 28,5 / 26,0 -2,5
2 MP 1 + 10 cm 43,0 / 27,0 -15,5 39,0 / 26,5 -12,5
3 MP 2 + 11 cm 58,5 / 37,5 -21,0 56,0 / 33,0 -23,0
4 MP 3 + 20 cm 65,0 / 49,5 -15,5 59,0 / 50,0 -9,0
5 MP 4 + 13 cm 63,5 / 60,5 -3,0 62,5 / 60,5 -2,0

Körpergewicht 155 kg / 135 kg -20 kg

Zusammenfassung

Dieses Beispiel zeigt, dass auch Patienten mit einer solch schwerwiegenden Lymphödemproblematik unter ambulanten Bedingungen erfolgreich behandelt werden können. IPK-Plus Behandlung wirkt im Hinblick auf die Entödematisierung beschleunigend und forciert außerdem eine Erweichung und Entstauung der im epifaszialen Gewebezylinder vorherrschenden fibrosklerotischen Zustände. Die während der Therapie gewonnenen Eindrücke in Bezug auf die Wundheilung zeigten, dass IPK-Plus bei sachgemäßer Anwendung auch bei einer solchen Problematik gut verträglich eingesetzt werden kann.


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