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Einleitung

Die neue Methode eignet sich für Patienten mit lymphangiologischen Erkrankungen, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich mit der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (MLD/KPE) behandelt werden, und arbeitet in enger Anlehnung an diese altbewährte physikalische Zwei-Phasen-Therapie.

Die Entdeckung besteht darin, dass hier zwei schon lange bekannte Behandlungsverfahren, die aber bisher völlig unabhängig voneinander eingesetzt wurden, nun miteinander gekoppelt werden.

Der Autor

Martin Morand spezialisierte sich unmittelbar nach einem Ausbildungslehrgang MLD/KPE im Juni 1985 auf die Behandlung von Patienten mit lymphangiologischen Erkrankungen. Unter anderem war er über vier Jahre in einer Fachklinik für Lymphologie, der Földi-Klinik, in Hinterzarten tätig. Im Anschluss an seine Kliniktätigkeit erfolgte eine Ausbildung zum Fachlehrer für MLD/KPE mit einer folgenden über drei Jahre dauernden Lehrtätigkeit. Seit 1995 leitet er ein Lymphzentrum in Berlin, in welchem sein Team und er Patienten mit lymphangiologischen Ödemerkrankungen, alternativ zu einer stationären Fachklinikbehandlung, die MLD/KPE – Physikalische zwei-Phasen-Therapie anbietet.

Die Komplexe Physikalische Zwei-Phasen-Entstauungstherapie (KPE)

Die KPE wird von den Experten der Lymphologie bis heute als Goldstandard zur Behandlung von Lymphödemen angesehen. Diese von den Ärzten Johannes Asdong, Etelka und Michael Földi, sowie Eberhard Kuhnke entwickelte Methode ist bei professioneller handwerklicher Ausführung sowie guter Mitarbeit der Patienten in nahezu jedem Fall erfolgreich.

Neben der von Emil Vodder entwickelten manuellen Lymphdrainage (MLD) ist in der Regel die mit Abstand wichtigste Maßnahme der KPE die Kompressionstherapie. In der Phase 1 der KPE wird diese vorwiegend über Druckverbände mittels Kurzzugbinden ausgeführt, bevorzugt mit etlichen inzwischen für diesen Zweck geeigneten Arten von Schaumstoffen. Aktive Bewegung in den Verbänden im Zusammenspiel mit Polstermaterialien bewirkt unter anderem, dass gewebelockernde Massageeffekte erzielt werden. Zusätzlich bewirkt das Drücken der Muskeln von innen gegen das feste Widerlager der Binden einen erhöhten Abstrom in den dazwischen verlaufenden Lymphgefäßen und Venen.

Vor dem Legen eines Kompressionsverbandes erfolgt eine Hautpflege, vor allem zum Schutz vor Entfettung. Zunächst werden Patienten mit einer lymphangiologischen Ödemerkrankung, bei der die MLD/KPE-Therapie als Behandlungsform in Betracht kommt, täglich über einen gewissen vom Schweregrad abhängigen Zeitraum behandelt.

Ist der maximale Grad einer Entstauung erreicht, werden von spezialisierten Bandagisten lymphologische Kompressionsversorgungen angepasst. Die KPE-Behandlung wird so lange täglich fortgesetzt, bis die neue Kompressionsware für den Patienten verfügbar ist. In fast jedem Fall gelingt es, über diese Maßnahme den erlangten Therapieerfolg zu konservieren. Ist die Phase 1 der KPE mit einer erfolgreichen Bestrumpfung abgeschlossen, beginnt die KPE-Phase 2. Sie dient der Konservierung und Optimierung des Behandlungsresultats. Auch in dieser Phase ist die Kompressionstherapie neben der MLD die wichtigste Maßnahme. Insbesondere Patienten mit Lymphödemen im fortgeschrittenen Stadium benötigen eine weitere regelmäßige Behandlung. Vor allem eine verhärtete, verdickte und mit hartnäckigen Ödemen durchsetzte Haut, in der Fachsprache auch als eine lymphostatische Fibrose bezeichnet, sollte regelmäßig und auf Dauer weiterbehandelt werden. Hält man einen solchen Zustand ödemfrei, locker und unter Druck, kann man in vielen Fällen einen, wenn auch sehr langsamen, aber stetigen Rückgang einer lymphostatischen Fibrose beobachten. Damit geht auch in der Regel eine Verringerung der lästigen Schwellneigung einher.

Ein weiterer unverzichtbarer Baustein innerhalb der KPE liegt in der Schulung der häufig chronisch erkrankten Patienten, die in einer Anleitung zum Selbstmanagement erfolgt. Diese zeitaufwendige Aufgabe übernehmen vorrangig die in MLD/KPE ausgebildeten Physiotherapeuten/innen. Eine Alltagsschulung erfolgt häufig während einer der MLD-Behandlungssitzungen. In einigen Fällen ist auch die persönliche Zuwendung von hohem psychologischen Wert. Bei vielen chronisch Erkrankten gelingt es erst dann, eine Bereitschaft zu unverzichtbarer Mitarbeit zu erlangen, nachdem zahlreiche aufklärende Gesprächsrunden stattgefunden haben. Da später in dieser Abhandlung ein apparatives Behandlungsverfahren vorgestellt wird, ist der Mensch schon in der Wahrnehmung solch wichtiger Aufgaben unersetzlich.

Bevor nun dieses Kapitel abgeschlossen wird, noch eine kurze persönliche Einschätzung des Autors zu Schwachstellen der KPE, die zum einen schon darin liegen, dass bis zu einem perfekten Beherrschen der Methode ein ziemlich hohes Maß an Erfahrung benötigt wird.

Gestützt durch Berichte von im Bereich der Lymphologie angesiedelten Fachleuten und vieler berechtigter Klagen, auch meiner Patienten, bestehen im ambulanten Bereich erhebliche Schwierigkeiten, das hervorragende Behandlungsverfahren dort optimal umzusetzen. Es muss leider festgestellt werden, dass es offensichtlich nur wenigen Absolventen eines vierwöchigen Ausbildungslehrgangs MLD/KPE gelingt, ambulant eine Phase eins der KPE erfolgreich durchzuführen. Faule Kompromisse, wie das viel zu frühe Versorgen von Patienten mit Kompressionsstrümpfen, die noch nicht entödematisiert wurden und dann ausschließlich mit isolierter MLD therapiert wurden, scheinen geradezu in Mode zu sein.

Darüber hinaus werden diese zeit- und personalaufwendigen Therapien zwar in Deutschland von den Kostenträgern übernommen, aber für die meisten Betroffenen in anderen Erdteilen bleibt ein solcher Optimalzustand eine weit entfernte Wunschvorstellung. Auch daran könnte es liegen, dass diese sehr effektive Therapiemethode sich international noch nicht so verbreiten ließ, wie dies wünschenswert wäre.

Patienten vor und nach einer MLD/KPE-Phase 1 Therapie. Die Ursache einer weiterhin bestehenden Umfangsdifferenz ist Folge der Lymphstau bedingten Fibrotisierung. Grundvoraussetzung für die Abheilung eines venös bedingten Unterschenkelgeschwür ist die vollständige Entödematisierung

Die Methode Morand, eine kurze geschichtliche Darstellung

Dem Anwender kam irgendwann im Jahr 2008 folgende Idee: „Man müsste eine üppig mit Schaumstoffwürfelchen gefüllte Einlage mit der Intermittierenden Pneumatischen Kompression (IPK) in Verbindung bringen, um diese dann über ödematösen bzw. fibrotischen Hautveränderungen anzuwenden. Dazu würden zunächst über die zu behandelnden entblößten Körperbereiche unebene Oberflächen aufgebracht, bevor dann eine handelsübliche Manschette das ganze Konstrukt umschließt. Im Anschluss wird nach Einstellung des gewünschten Drucks und der Zeit am Gerät eine IPK-Behandlung in üblicher Weise durchgeführt.

Es ist bemerkenswert, dass der Anwender bis zu diesem Zeitpunkt die IPK niemals in seiner therapeutischen Arbeit eingesetzt hat und er deshalb mit dieser von ihm eher argwöhnisch betrachteten Methode bis dahin auch noch keinerlei praktische Erfahrungen sammeln konnte. Nachdem der Autor, vielleicht auch etwas halbherzig, drei Unternehmen vergeblich in dieser Sache kontaktiert hatte, geschah einige Jahre nichts, bis er im Jahr 2015 doch noch einen vierten Anlauf unternahm und von einem namhaften deutschen Hersteller ein IPK-Gerät mit verschiedenen dazugehörigen Manschetten zur Verfügung gestellt bekam. Ein Geschäftsführer dieser Firma berichtete bei Anlieferung, dass die Mitarbeiter in der Vergangenheit Versuche mit verschiedenen industriell angebotenen Produkten unter IPK-Anwendungen unternommen hätten, aber im Zusammenwirken keine nennenswerte Wirkungssteigerung hätten feststellen können. Von dieser Information nicht gerade ermutigt, wurde aber, da das Gerät bereits angeliefert war, die Kombination aus IPK-Anwendung und unebenen Oberflächen auf ihre Wirkung, wie oben beschrieben, geprüft. Die dazu notwendigen Komponenten wurden im Eigenbau gefertigt.


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